"Aufgewühlter" Terrdrakon

  • Hallo,


    habe vor ein paar Wochen ein 300-L-Aquarium neu in Betrieb genommen und dabei auch den Terrdrakon-Düngeboden angewendet.
    Zwischenzeitlich war es jetzt die ersten Male erforderlich, Kopfstecklinge von Stängelpflanzen zu machen. Beim Rausziehen der Pflanzen wurde ein gewisser Teil Terrdrakon an die Bodenoberfläche befördert.


    Meine Frage nun: Ist das in irgendeiner Weise problematisch?


    Hintergrund ist, daß ich mit Pflanzen/Algenwachstum noch nicht so zufrieden bin und den zu optimierenden Faktor suche. Das Becken ist mit vielen Stängelpflanzen unterschiedlicher Arten besetzt und soll ein richtig schönes bepflanztes Gesellschaftsbecken werden.
    Was ich vor allem seltsam finde: Bei der Flüssigdüngung nutze ich Ferrdrakon und bleibe damit weit unter der empfohlenen Dosierung (trotz starkem Lichts und vielen Pflanzen), trotzdem zeigt mein Eisentest auch nach mehreren Tagen ohne Düngung immer noch eine kleine Menge Eisen an! Auch die recht starke Kahmhaut deutet ja eher auf einen Nährstoffüberschuß hin?
    Hingegen bekommt meine Nesaea crassicaulis in letzter Zeit vermehrt stark "verkrüppelte" neue Blätter, ähnlich die Pogostemon stellata, und bei der Rotala rotundifolia meine ich ein leichtes "Ausbleichen" zu erkennen...
    Und der Eisentest ist andererseits auch schon ein Jahr alt, und somit möglicherweise defekt(?).
    Ähnlich mißtrauisch bin ich gegenüber Phosphat- und Nitrattests. Beides soll angeblich im Becken nicht vorhanden sein, wobei laut Wasserversorger schon im Leitungswasser geringe Mengen vorhanden sein sollen(N: 5 mg, P: 0,15 mg).


    Wäre eine etwas stärkere Ferrdrakon-Dosierung (3 ml/täglich bei 300Ltr brutto) zu empfehlen?
    Bzw. stattdessen Kramerdrak oder einer der Zusatzdünger (Eudrakon N, P, sowie Ferrdrakon K sind bereits vorhanden)?


    Die Daten über das Aquarium als Übersicht:


    Beleuchtung: 2x54 W T5, 2x39 W T5, Lichtfarbe 958
    Beleuchtungszeit: 10½ Stunden, 4 Stunden davon brennt nur jeweils einer der beiden Balken
    CO2-Anlage: in Betrieb
    Wasserwechsel: ~50% pro Woche
    Filter: #### Bioinnenfilter B 200, bestückt mit siporax, Plastikbällchen, blauen Flies
    Bodengrund: Sand < 1 mm mit Terrdrakon
    Stängepflanzenarten:
    - Pogostemon stellatum
    - Rotala rotundifolia
    - Rotala macranda
    - Hygrophila difformis
    - Hygrophila polysperma
    - Lagarosiphon major
    - Ludwigia repens
    - Lobelia cardinalis
    - Althernathera reineckii
    - Shinersia rivularis
    - Lindernia rotundifolia
    - Nesaea crassicaulis
    - Ceratopteris cornuta
    - Ceratopteris thalicroides


    Fische:
    - 11 Bitterlingsbarben
    - 3 Crossocheilus latius
    - 10 Botia striata
    - 2 Zwergfadenfische
    - 6 Apistogramma macmasteri (noch teils sehr jung)
    - 14 Dornaugen


    Viele Grüße,
    Jan

  • Hallo,

    Meine Frage nun: Ist das in irgendeiner Weise problematisch?

    Nein!

    Quote

    Auch die recht starke Kahmhaut deutet ja eher auf einen Nährstoffüberschuß hin?

    Nicht alle Becken verbrauchen gleich viel Eisen. Insbesondere bei PO4-Mangel bleibt das Eisen oft recht lange aktiv.

    Quote

    Hingegen bekommt meine Nesaea crassicaulis in letzter Zeit vermehrt stark "verkrüppelte" neue Blätter, ähnlich die Pogostemon stellata, und bei der Rotala rotundifolia meine ich ein leichtes "Ausbleichen" zu erkennen...

    Symptome, die ich durchaus einem PO4-Mangel zuordnen kann.

    Quote

    Und der Eisentest ist andererseits auch schon ein Jahr alt, und somit möglicherweise defekt(?).

    Eisentests sind nicht sooo furchtbar empfindlich gegen Verderb.

    Quote

    Ähnlich mißtrauisch bin ich gegenüber Phosphat- und Nitrattests. Beides soll angeblich im Becken nicht vorhanden sein, wobei laut Wasserversorger schon im Leitungswasser geringe Mengen vorhanden sein sollen(N: 5 mg, P: 0,15 mg).

    Die meisten PO4-Tests halten durchaus einige Jahre, wogegen die wenigsten NO3-Tests länger als 1 Jahr durchhalten.

    Quote

    Wäre eine etwas stärkere Ferrdrakon-Dosierung (3 ml/täglich bei 300Ltr brutto) zu empfehlen?

    Nein, eher eine zusätzliche PO4-Düngung.

  • Hallo Herr Kremser,


    herzlichen Dank für die Antwort!
    Ich werde mal versuchen, ob sich eine vorsichtige Eudrakon-P-Düngung positiv auswirkt. Wenn ich mit z.B. 1ml/Tag weit unter der empfohlenen Maximaldosierung bleibe, wird es hoffentlich ja nicht gleich zu einer Algenplage kommen (da bin ich noch etwas ängstlich vor bei Phosphatzudüngung).


    Zwischenzeitlich hab ich außerdem eine weitere mögliche "Problemquelle" gefunden, den Filter. Er war teils stark verschlammt und hat in der untersten Schicht einen leichten "Faule-Eier"-Geruch ausgestrahlt. Nun hab ich nach einer Reinigung das Filtermaterial mal testweise komplett auf die normalen blauen Schwämme/Fliese umgestellt.


    Viele Grüße,
    Jan

  • Hallo,

    Wenn ich mit z.B. 1ml/Tag weit unter der empfohlenen Maximaldosierung bleibe,

    das beruht so auf einem Mißverständnis. Bei Eudrakon P gibt es keine Maximaldosis, sondern nur einen empfohlenen Gehalt an PO4 im Aquariumwasser. Es ist aber ein Wert angegeben, um wie viel mg/l der PO4-Gehalt bei einer bestimmten Zugabe steigt.

    Quote

    Er war teils stark verschlammt und hat in der untersten Schicht einen leichten "Faule-Eier"-Geruch ausgestrahlt.

    Schwefelwasserstoff (faule Eier) steht tatsächlich im Verdacht stark algenfördernd zu sein.

  • Hallo,

    Hallo,
    das beruht so auf einem Mißverständnis. Bei Eudrakon P gibt es keine Maximaldosis, sondern nur einen empfohlenen Gehalt an PO4 im Aquariumwasser. Es ist aber ein Wert angegeben, um wie viel mg/l der PO4-Gehalt bei einer bestimmten Zugabe steigt.


    Das war in der Tat unglücklich von mir ausgedrückt bzw. falsch in Erinnerung, sorry.
    Wenn ich nun bei einem 300-Ltr-Becken 6 ml Eudrakon-P benötigen würde, um einen Phosphatgehalt von ~0,1 mg/L einzustellen, wären wohl für den Anfang etwa 4 ml/Woche empfehlenswert?


    Viele Grüße,
    Jan

  • Hallo,


    Wenn ich nun bei einem 300-Ltr-Becken 6 ml Eudrakon-P benötigen würde, um einen Phosphatgehalt von ~0,1 mg/L einzustellen, wären wohl für den Anfang etwa 4 ml/Woche empfehlenswert?

    man könnte es damit probieren. Das ist aber genau das, was ich u.a. ausdrücken wollte. Der Verbrauch ist nicht direkt vorhersagbar.
    Anders als beim Eisen, das zum größten Teil durch (photo)chemische Prozesse aus dem Beckenwasser verschwindet und nur zum geringsten Teil durch direkten Verbrauch der Pflanzen, wird Phosphat fast nur durch die Aufnahme der Pflanzen entfernt (PO4-Adsorber mal außen vor gelassen).


    Ich würde ja folgende Vorgehensweise vorschlagen:
    Einen bestimmten PO4-Gehalt im Wasser einstellen und nach einem bestimmten Zeitraum nachmessen. Aus der Differenz der beiden Meßwerte läßt sich der absolute PO4-Verbrauch in diesem Zeitraum und damit die zukünftig wahrscheinlich notwendige Zugabemenge ermitteln.


    Da zu Anfang meist deutlich mehr PO4 verbraucht wird als nach einigen Wochen fortgesetzter Düngung, sollte man diesen Vorgang nach einigen Wochen und später gelegentlich wiederholen.

  • Hallo,



    Ich würde ja folgende Vorgehensweise vorschlagen:
    Einen bestimmten PO4-Gehalt im Wasser einstellen und nach einem bestimmten Zeitraum nachmessen. Aus der Differenz der beiden Meßwerte läßt sich der absolute PO4-Verbrauch in diesem Zeitraum und damit die zukünftig wahrscheinlich notwendige Zugabemenge ermitteln.


    Das werde ich nach dem nächstem Wasserwechsel dann mal so probieren.
    Vielen Dank nochmal für die sehr aufschlußreichen Erläuterungen!


    Viele Grüße,
    Jan